Geldanlage

Sind die Inflationssorgen übertrieben?

In den zwölf Monaten bis Ende Juni 2021 sind die US-Verbraucherpreise um 5,4% und damit so deutlich wie zuletzt im August 2008 gestiegen. Die Inflation rückt für US Anleger zunehmend in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit.

Unsere aktuelle Studie US-Inflation and Global Asset Returns (in English) enthält mehrere gute Nachrichten für Anleger, die langfristig positive Realrenditen anstreben. Weniger gute Neuigkeiten haben wir dagegen für Anleger, die sich mit Alternativen zu inflationsindexierten Wertpapieren vor Inflation schützen wollen.

 

STÄRKER ALS DIE INFLATION

Abbildung 1 zeigt die durchschnittlichen Realrenditen (also die Renditen nach Abzug der Inflation) verschiedener Assetklassen in Jahren mit überdurchschnittlich hohen Inflationsraten (>Median) zwischen 1927 und 2020. Insgesamt haben wir 23 US Investments, darunter Anleihen, Aktien, Branchen und -Aktienprämien analysiert. In Jahren mit Inflationsraten über dem Median betrug die durchschnittliche Inflation im Betrachtungszeitraum 5,5% pro Jahr. Zwar waren die durchschnittlichen Realrenditen in Jahren mit hoher Inflation meist niedriger als in Jahren mit niedriger Inflation; die Grafik zeigt jedoch auch, dass alle Vermögenswerte mit Ausnahme einmonatiger T-Bills in Hochinflationsjahren im Durchschnitt positive Realrenditen abwarfen.

Eine Analyse der Jahre von 1927 bis 2020 ist deswegen sinnvoll, weil dieser Zeitraum sowohl Phasen mit zweistelliger US-Inflation wie die 1940er und 70er Jahre als auch deflationäre Phasen wie die Weltwirtschaftskrise von 1929 bis 1932 enthält. Für die letzten 30 Jahre (1991 bis 2020), in denen die US-Inflation relativ schwach und stabil war, kommen wir jedoch zu ähnlichen Ergebnissen. Für diesen Zeitraum haben wir unsere Analyse auf internationale Anleihen, Aktien aus entwickelten und Schwellenmärkten, Real Estate Investment Trusts (REITs) und Rohstoffe ausgeweitet. Insgesamt sind langfristig positive Realrenditen in den von uns untersuchten Assetklassen eher die Regel als die Ausnahme.

 

EFFEKTIVER INFLATIONSSCHUTZ

Die Ergebnisse mögen beruhigend wirken, allerdings sind Wachstumswerte, die die Inflation historisch gesehen abhängen konnten, möglicherweise nicht für jeden geeignet. Wer sich unbedingt vor Inflation schützen muss und nur begrenzt Marktrisiken eingehen kann, sollte daher wahrscheinlich inflationsindexierte Wertpapiere wie TIPS oder Inflationsswaps in Erwägung ziehen, die genau für diesen Zweck entwickelt wurden. Aktien aus bestimmten Sektoren, REITs, Rohstoffe und Value-Aktien gelten bisweilen als „inflationsempfindlich“, allerdings liefern die Daten kaum Hinweise dafür, dass sie sich zur Inflationsabsicherung eignen.

In den nominalen Vermögenspreisen sind die Inflationsprognosen der Märkte bereits enthalten. Sorgen bereiten Anlegern also eher die Auswirkungen unerwarteter Inflation auf den Realwert ihrer Anlagen. Als Inflationsschutz eignet sich ein Asset daher besonders dann, wenn die Nominalrenditen hochgradig mit der unerwarteten Inflation korreliert sind. In unserer Analyse stellen wir allerdings überwiegend schwache Korrelationen zwischen Nominalrenditen und unerwarteter Inflation fest. Zu den wenigen Assets mit beständigen Inflations-Korrelationen zwischen 1991 und 2020 gehörten unter anderem Energieaktien und Rohstoffe. Allerdings waren die Nominalrenditen dieser Vermögenswerte etwa zwanzigmal volatiler als die Inflation, und mehr als die Hälfte dieser Schwankungen war nicht auf die Inflation zurückzuführen, wie Abbildung 2 anhand der Nominalrenditen von Energieaktien und Rohstoffen deutlich macht: Die Renditen weichen drastisch von der Inflationsentwicklung des jeweiligen Jahres ab. Wer seine zukünftige Kaufkraft effektiv vor Schwankungen schützen will, sollte sich vielleicht eher nicht auf derart volatile Instrumente verlassen.

 

KURSHALTEN IST DER BESTE INFLATIONSSCHUTZ

Wie stark steigen die Preise nächsten Monat? Liegen die Marktprognosen richtig? Steigt die Inflation nur vorübergehend oder dauerhaft? Niemand weiß es. Doch zum Glück braucht man keine Kristallkugel, um sein Portfolio gegen Inflation abzusichern. Daten zeigen: In vielen Assetklassen können Anleger langfristig positive Realrenditen erzielen, indem sie einfach an ihren Investments festhalten. Und wer sich unbedingt vor unerwarteter Inflation schützen muss, kann sein Portfolio mit inflationsindexierten Wertpapieren wohl immer noch am effektivsten absichern.

 

ANHANG

US-Inflation

Jährliche Änderungsrate des Verbraucherpreisindex für alle städtischen Verbraucher (CPI-U, nicht saisonbereinigt) des Bureau of Labor Statistics.

US-Staatsanleihen und langfristige Unternehmensanleihen

Renditen für US-Staatsanleihen (einmonatige T-Bills, fünfjährige Notes und langfristige Anleihen) und langfristige Unternehmensanleihen von Morningstar (zuvor von Ibbotson Associates).

US-Aktienportfolios und Faktoren

Der US-Aktienmarkt wird durch den Fama/French Total US Market Research Index dargestellt. Die US-Branchenportfolios entsprechen den 12 Fama/French-Branchenportfolios. Die US-Stilportfolios (Small Cap Value und Growth und Large Cap Value und Growth) stammen aus den sechs Fama/French-Portfolios, sortiert nach Größe (Marktkapitalisierung) und Buchwert-Marktwert-Verhältnis. Die US-Prämien für die Faktoren Size und Value werden durch die Fama/French-Size- und -Value-Faktoren dargestellt. Alle Renditen stammen aus der

Datenbibliothek von Ken French: https://mba.tuck.dartmouth.edu/pages/faculty/ken.french/data_library.html.

GLOSSAR

T-Bills: Kurzfristige Schuldtitel, die vom US-Finanzministerium begeben werden.

Inflationsgeschützte Schatzpapiere (TIPS): Vom US-Finanzministerium ausgegebene Anleihen mit Inflationsabsicherung. Der Nennwert von TIPS steigt bei Inflation und sinkt bei Deflation, entsprechend den Veränderungen des Verbraucherpreisindex. Bei Fälligkeit erhält der Anleger entweder den inflationsadjustierten Nennwert oder den ursprünglich investierten Betrag, je nachdem, welcher Wert höher ist.

Inflationsswaps: Ein Vertrag zwischen zwei Parteien; eine Partei erhält variable Zahlungen, die an die tatsächliche Inflationsrate gebunden sind, und zahlt im Gegenzug fixe Beträge, basierend auf der erwarteten Inflation und die Inflationsrisikoprämie für einen bestimmten Nominalbetrag und Zeitraum.

Nominalrendite: Rendite einer Anlage vor Abzug der Inflationsrate. Realrendite: Rendite einer Anlage nach Abzug der Inflationsrate

RECHTLICHE INFORMATIONEN

Eugene Fama und Ken French sind Mitglieder des Board of Directors der Komplementärin von Dimensional Fund Advisors LP und erbringen für diese Beratungsdienstleistungen.

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Weder DIL noch DFAL, soweit zutreffend, (jeweils ein „Herausgebendes Unternehmen“, je nach Zusammenhang) bieten Finanzberatung an. Es liegt in Ihrer Verantwortung zu entscheiden, ob ein Investment für Ihre persönlichen Verhältnisse geeignet ist. Wir empfehlen Ihnen, diese Entscheidung mithilfe eines Finanzberaters zu treffen.

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„Dimensional“ bezieht sich auf die Gesellschaften aus der Dimensional-Unternehmensgruppe im Allgemeinen und nicht auf eine bestimmte Dimensional-Gesellschaft. Zu den Gesellschaften der Dimensional-Unternehmensgruppe gehören Dimensional Fund Advisors LP, Dimensional Fund Advisors Ltd., DFA Australia Limited, Dimensional Fund Advisors Canada ULC, Dimensional Fund Advisors Pte. Ltd., Dimensional Ireland Limited, Dimensional Japan Ltd. und Dimensional Hong Kong Limited. Dimensional Hong Kong Limited ist zugelassen von der Securities und Futures Commission und berechtigt, ausschließlich regulierte Aktivitäten des Typ 1 (Handel mit Wertpapieren) zu betreiben; Vermögensverwaltungsdienstleistungen werden nicht angeboten.

RISIKEN

Kapitalanlagen beinhalten Risiken. Der angelegte Kapitalwert sowie die daraus erzielte Kapitalrendite unterliegen Schwankungen, sodass der Wert der Anteile eines Investors bei Rückgabe über oder unter dem Erwerbskurs liegen kann. Die Wertentwicklung in der Vergangenheit stellt keine Garantie für zukünftige Entwicklungen dar. Es gibt keine Garantie dafür, dass Strategien erfolgreich sind.

Festverzinsliche Wertpapiere unterliegen in Perioden steigender Zinssätze erhöhten Kapitalverlusten und können zahlreichen weiteren Risiken, einschließlich Änderungen der Kreditqualität, der Liquidität, von Vorauszahlungen oder anderen Faktoren, unterliegen. Sektorenspezifische Anlagen können diese Risiken erhöhen

 

 

 

 

 

 

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