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Risiko – Ist es denn nicht viel zu riskant, Aktien zu kaufen?

Immer wieder höre ich von Menschen, die um die Jahrtausendwende nach der Werbung mit Manfred Krug Telekom-Aktien gekauft und später mit herbem Verlust wieder verkauft haben. Diese Leute sagen sich dann „Nie wieder!“. Doch das ist schade, denn wenn den Anlegern einige wesentliche Grundregeln bekannt sind, lassen sich die Risiken eines Aktieninvestments erheblich eindämmen.

Milton Friedman, Nobelpreisträger für Wirtschaftswissenschaften, sagte einmal: „There is no such thing as a free lunch.“ Dies bedeutet, dass Anlagen, die einen höheren Ertrag als Festgeld erbringen, naturgemäß auch mit einem höheren Risiko einhergehen. Die Rendite ist die Belohnung dafür, höhere Risiken eingegangen zu sein.

Also doch das Geld einfach auf den Girokonten lassen? Mit Nichten, denn Finanzökonomen betrachten die vermeintlich risikoarmen Investments, also z.B. Tages -und Festgeldanlagen, kapitalbildende Lebensversicherungen oder Riester-Anlagen als die in Wirklichkeit risikoreichsten Investments. Denn nach Kosten, Steuern und Inflation werden diese „sicheren“ Anlageformen langfristig einen Kaufkraftverlust erleiden.

Was kann man also tun?

Zunächst sollte einem bewusst werden, dass die Risikowahrnehmung subjektiv und nicht objektiv erfolgt. Die Risikoausprägungen des globalen Aktienmarkts können relativ gut analysiert werden. So ist beispielsweise erwiesen, dass es bei langen Anlagezeiträumen von 15 Jahren oder mehr keine Verluste, sondern nur noch Gewinne gab. Wer sein Geld zudem in einen weltumfassenden Index wie den MSCI World investiert, kann praktisch niemals einen Totalverlust erleiden. In diesem Index sind 1600 Unternehmen vertreten. Dass nun all diese Unternehmen insolvent gehen, passiert höchstens bei einem Weltuntergang.

Wie lassen sich nun die Risiken für den Anleger minimieren?

Es gilt zu akzeptieren, dass Schwankungen an den Börsen etwas Normales sind. Wenn das Depot kurzzeitig im Minus steht, sind das unrealisierte Verluste von Aktien, sogenannte Buchverluste. Das wirkliche Anlagerisiko entsteht erst dann, wenn die Verluste realisiert werden. Erst dann sind sie unwiederbringlich.

Betrachten Sie Ihren Depotstand möglichst wenig. 1-2 mal im Jahr ist völlig ausreichend. Das Nervenkostüm des Anlegers wird somit geschützt und Fehlreaktionen werden vermieden, wenn es an den Aktienmärkten mal wieder stürmisch wird.

Diversifikation ist das Zauberwort der Geldanlage. Breit streuen bringt echte Sicherheit! Also sich nicht nur ein oder zwei Aktien ins Depot legen, sondern breit und kostengünstig weltweit in ETFs oder prognosefreie Fonds anlegen. Indem dann ein Anlagezeitraum von 15 Jahren oder mehr gewählt wird, lässt sich das Risiko weiter minimieren.

Das Restrisiko kann noch weiter gesenkt werden, indem risikoarme Anlagen wie Festgeld oder Anleihenfonds beigemischt werden. Diese risikoarmen Anlageanteile senken zwar die Rendite, verringern aber deutlich die Schwankungen im Depot.

Die eigene Risikotragfähigkeit ist etwas sehr Individuelles. Ziel muss es sein, dass jede Anlegerin und jeder Anleger auch in den hektischsten Börsenphasen ruhig schlafen kann. Aus diesem Grund gehört einfach die Ermittlung der persönlichen Risikotragfähigkeit nach finanzwissenschaftlichen Kriterien zu einer gut durchdachten Strategie einfach dazu. In der Honorarberatung wird daher darauf auch besonders Wert gelegt.

Ein „Gratismittagsessen“ gibt es an den Märkten leider nicht. Doch der Anleger kann eine Menge dafür tun, dass es möglichst preiswert ausfällt. Alle Experten sind sich einig: Das größte Risiko ist es, gar nichts mit seinem Geld bzw. für die Altersvorsorge zu tun. Auch wenn man extrem risikoscheu ist: Manchmal ist es gut, einfach zu loszuspringen.