Geldanlage

Einzelaktien?! – Besser nicht!

Einzelaktien?! – Besser nicht! Die meisten Fondsmanager scheitern an dem Versuch, Fehlbewertungen in Marktpreisen zu finden. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Dimensional Studie. Für Anleger sind das gute Nachrichten.

Wenn die Märkte ihre Aufgabe erfüllen und Wertpapiere richtig einpreisen, sollte man erwarten, dass sich Manager bei der Suche nach „Bewertungsfehlern“ schwertun. Mutual Fund Landscape 2019, eine Studie von Dimensional, bestätigt diesen Grundsatz und zeigt, dass die meisten Fondsmanager hinter ihrer Benchmark zurückbleiben.[1] Dieses Ergebnis legt den Schluss nahe, dass sich Anleger auf Marktpreise verlassen sollten.

 

Marktpreise auf dem Prüfstand

Jeden Tag werden an den globalen Finanzmärkten viele Millionen Transaktionen im Wert von mehreren Hundert Milliarden Dollar abgewickelt. Diese Transaktionen bilden die Einschätzung von Käufern und Verkäufern ab, die ihr Kapital investieren. Der Markt als leistungsfähiger Mechanismus zur Datenverarbeitung nutzt Transaktionen als Eingangsvariable und fasst Einzelinformationen aus unzähligen Quellen zu Preisen zusammen, die sich durch diesen Prozess ihrem fairen Wert nähern. Mit der Suche nach Fehlbewertungen wetten Anleger gegen die kollektive Intelligenz aller Marktteilnehmer.

Sollten Anleger sich also auf Marktpreise verlassen oder nach fehlbewerteten Wertpapieren suchen?

Wie gut der Preisfindungsmechanismus der Märkte funktioniert, lässt sich auch an den Ergebnissen der Fondsindustrie ablesen. Sobald die Märkte Informationen nicht effektiv einpreisen, eröffnen sich Möglichkeiten für professionelle Fondsmanager, die diese Bewertungsfehler finden und in höhere Renditen umwandeln können. In diesem Szenario könnte man erwarten, dass sich viele Investmentfonds im Vergleich zu ihrer Benchmark überdurchschnittlich entwickeln. Die Daten zeichnen jedoch ein anderes Bild.

Wir haben mehrere Tausend Fonds mit unterschiedlichsten Philosophien, Zielen und Anlagestilen untersucht. Das Ergebnis: Die Mehrheit der Fonds bleibt nach Abzug der Kosten hinter ihrer Benchmark zurück. Dieser Befund legt den Schluss nahe, dass sich Anleger auf Marktpreise verlassen können.

 

Fondsliquidierungen und Überrenditen

Aufgrund des großen Fondsangebots fällt nicht immer auf, dass jedes Jahr viele Fonds aufgelöst werden, oft wegen schlechter Renditen.

Manche Anleger wären überrascht zu erfahren, wie viele Fonds im Laufe der Zeit verschwinden. 20 Jahre nach ihrer Auflegung sind mehr als die Hälfte der Aktien- und
Anleihenfonds nicht mehr verfügbar.

Bei Bewertungen der Wertentwicklung von Investmentfonds sollten Anleger auch liquidierte Fonds berücksichtigen, denn so entsteht ein detaillierteres Bild des Fondsuniversums und möglicher Anlageergebnisse schon zum Zeitpunkt der Auswahl eines Fonds. Wie die Daten belegen, gehörte nur ein geringer Prozentsatz der Fonds aus der ursprünglichen Stichprobe zu den „Gewinnern“, die überlebten und ihre Benchmark übertroffen haben.

Abbildung 1:

Nur wenige US-amerikanische Investmentfonds haben überlebt und ihre Benchmark übertroffen

Bewertungszeitraum bis 31. Dezember 2018Magere Ergebnisse: In den 20 Jahren bis 2018 haben lediglich 23% der Aktienfonds und 8% der Anleihenfonds überlebt und ihre Benchmark übertroffen.

 

Die Suche nach beständiger Leistung

Bei der Fondsauswahl orientieren sich einige Anleger an der Wertentwicklung vergangener Jahre. Erfolg ist in manchen Fällen jedoch Zufall, sodass sich eine kurzzeitige überdurchschnittliche Wertentwicklung nicht wiederholt.

Wie in der Abbildung 2 zu sehen ist, konnten nur wenige der Fonds, die in den ersten fünf Jahren zu den besten 25% gehörten, diese Position auch in den kommenden fünf Jahren behaupten. Diese Unbeständigkeit nährt die Zweifel an der Fähigkeit von Fondsmanagern, sich am Markt einen beständigen Informationsvorteil sichern zu können.

Abbildung 2:

Die bisherige Wertentwicklung eines Fonds ist als Indikator für zukünftige Renditen ungenügend.

Prozentsatz der US-Fonds, die ihre Spitzenposition (Top 25%) in zwei aufeinanderfolgenden 5-Jahres-Zeiträumen behaupten konnten

Die meisten Fonds, die in den ersten fünf Jahren zu den besten 25% gehörten, konnten diese Position in den darauffolgenden fünf Jahren nicht behaupten. Im Durchschnitt konnten nur 21% der Aktienfonds und 28% der Anleihenfonds ihre Position im obersten Quartil in beiden Untersuchungszeiträumen halten.

Einige Manager mögen besser sein als andere, Kompetenz lässt sich jedoch nicht allein durch einen guten Leistungsausweis nachweisen. Die Renditen von Aktien und Anleihen enthalten sehr viel Marktrauschen, beeindruckende Erfolge können sich daher allein durch Glück einstellen. Die Annahme, die gute Wertentwicklung der Vergangenheit werde sich fortsetzen, erweist sich zur Enttäuschung vieler Anleger häufig als falsch.

 

Fazit

Die Wertentwicklung von US-amerikanischen Investmentfonds verdeutlicht die Macht der Marktpreise. Unabhängig vom Untersuchungszeitraum zeigt unsere Analyse, dass:

  •  Fonds mit überdurchschnittlichen Renditen in der Minderheit waren.
  •  Gute Wertentwicklung unbeständig ist.

Das Ergebnis der Studie legt den Schluss nahe, dass sich Anleger auf Marktpreise verlassen sollten. Wer auf die Fähigkeit eines Fondsmanagers hoffte, Fehlbewertungen in den Marktpreisen zu erkennen, musste bei der großen Mehrheit der Fonds unterdurchschnittliche Wertentwicklungen hinnehmen.

Wir sehen diesen Befund als Bestätigung einer wichtigen Regel in der Vermögensanlage: Die Kapitalmärkte erfüllen ihre Aufgabe der Preisfindung sehr gut – und erschweren Fondsmanagern dadurch ihre Aufgabe, ihre Benchmark und andere Marktteilnehmer zu übertreffen.

Trotz der Fakten suchen jedoch viele Anleger noch immer nach „Gewinnerfonds“ und beurteilen das Potenzial eines Managers vor allem anhand früherer Ergebnisse.

Die Wahl eines langfristigen Gewinners erfordert mehr als die Suche nach Fonds mit einer guten Leistungsbilanz, denn die vergangene Wertentwicklung ist kein guter Indikator für eine erfolgreiche Investmenterfahrung. Außerdem müssen sich Anleger bei der Bewertung eines Managers nicht allein an dessen Leistungsausweis orientieren.

Auch andere Fondseigenschaften sind für eine gute Investmenterfahrung wichtig und können Anlegern bei der Umsetzung ihrer Ziele helfen, etwa die Investmentphilosophie oder ein robuster Portfolioaufbau.

 

Quelle:

Dimensional Fund Advisors Ltd.

 

FUßNOTEN

[1] Benchmark bezieht sich auf die primär genutzte Benchmark, um die Wertentwicklung jedes Fonds in der Stichprobe, wo immer möglich, zu bewerten. Siehe Daten Appendix für weitere Informationen.

 

DATEN APPENDIX

Daten der US-amerikanischen Investmentfonds stammen von Morningstar.
Indexfonds und Dachfonds sind von der Stichprobe ausgeschlossen. Das Aktien Beispiel beinhaltet die historischen Morningstar-Kategorien: Diversified Emerging Markets, Europe Stock, Foreign Large Blend, Foreign Large Growth, Foreign Large Value, Foreign Small/Mid Blend, Foreign Small/Mid Growth, Foreign Small/Mid Value, Japan Stock, Large Blend, Large Growth, Large Value, Mid-Cap Blend, Mid-Cap Growth, Mid Cap Value, Miscellaneous Region, Pacific/ Asia ex-Japan Stock, Small Blend, Small Growth, Small Value, und World Stock.

Anleihen Beispiel beinhaltet die historischen Morningstar-Kategorien: Corporate Bond, High Yield Bond, Inflation-Protected Bond, Intermediate Government, Intermediate-Term Bond, Muni California Intermediate, Muni California Long, Muni Massachusetts, Muni Minnesota, Muni National Intermediate, Muni National Long, Muni National Short, Muni New Jersey, Muni New York Intermediate, Muni New York Long, Muni Ohio, Muni Pennsylvania, Muni Single State Intermediate, Muni Single State Long, Muni Single State Short, Short Government, Short-Term Bond, Ultrashort Bond, und World Bond.

Weitere Informationen zu den historischen Kategorien von Morningstar können von Dimensional auf Anfrage bereitgestellt werden.

Indexfonds und Dachfonds sind von der Stichprobe ausgeschlossen. Das Nettovermögen bei Fonds mit mehreren Anteilsklassen oder Feederfonds ist die Summe des gesamten Nettovermögens der einzelnen Anteilsklassen. Die Rendite, die Kostenquote und der Umsatz für Fonds mit mehreren Anteilsklassen wer-den als gewichteter Durchschnitt der einzelnen Beobachtungen der Anteilsklassen ver-wendet. Fondsanteilklassen werden auf Stra-tegieebene mit Hilfe von Morningstar FundID aggregiert.

Jeder Fonds wird zu Beginn des Bewertungszeitraums in Bezug auf den Morningstar-Index bewertet, die der Kategorie des Fonds zugewiesen wurde. Angenommen der Fonds ändert sich innerhalb des Bewertungszeitraums von Large Value zu Large Growth, so wird die Rendite dennoch am Index der Large Value Kategorie gemessen. Überlebende sind jene Fonds, die jeden Monat im Beispielzeitraum Renditen erzielten. Gewinner-Fonds sind diejenigen, die überlebten und ihren Referenzindex im relevanten Zeitraum übertrafen.

Indexdaten zur Verfügung gestellt von Bloomberg Barclays, MSCI, Russell, FTSE Fixed Income LLC, und S&P Dow Jones Indices LLC. Bloomberg Barclays Daten zur Verfügung gestellt von Bloomberg. MSCI Daten © MSCI 2019, alle Rechte vorbehalten. Frank Russell Company ist die Quelle und der Eigentümer der Marken- und Dienstleistungszeichen sowie Urheberrechte in Zusammenhang mit den Russell Indizes. FTSE Anleihenindizes © 2019 FTSE Fixed Income LLC. Alle Rechte vorbehalten. S&P Daten © 2019 S&P Dow Jones Indices LLC, eine Tochtergesellschaft von S&P Global. Alle Rechte vorbehalten.

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RISIKEN

Kapitalanlagen beinhalten Risiken. Der angelegte Kapitalwert sowie die daraus erzielte Kapitalrendite unterliegen Schwankungen, sodass der Wert der Anteile eines Investors bei Rückgabe über oder unter dem Erwerbskurs liegen kann. Die Wertentwicklung in der Vergangenheit stellt keine Garantie für zukünftige Entwicklungen dar. Es gibt keine Garantie dafür, dass Strategien erfolgreich sind.